Bier löst zwar keine Probleme, aber Milch tut das auch nicht.

Gut zwei Jahre ist es her. Es war war wieder so ein Tag, wie man ihn lieber nicht erleben möchte.  Schlecht geschlafen. Müde und grantig. Stau im Nebel bei der Fahrt in die Firma. Komme zu spät zum Morgen-Meeting. Schließlich sollte ich ja als Chef Vorbild sein. Zwei Mitarbeiter sind krank, die restlichen scheinen heute auch einen schlechten Tag zu haben. Das Umsatzminus in diesem Monat scheint unaufholbar.  Verzweiflung lähmt den Geist. Die Motivation ist unter dem Meeresspiegel. Und zu guter Letzt im übervollen  Mail-Ordner eine ernste Mahnung von der Bank, die letzten Raten sind fällig .Und als Draufgabe ist noch Montag.

Welch Unternehmer kennt solche Tage nicht und hasst sie wie die Pest.

Der Tag ist verheerend gelaufen, es ist spät am Abend. Ich fühle mich elendiglich. Zu meiner Rettung wartet auf  dem Heimweg die Stammkneipe auf einen erlösenden Entspannungsdrink. Es ist ja grundsätzlich nichts gegen einen guten Schluck zu sagen. Da steht dieser Typ an der Theke neben mir und sieht schon ziemlich fertig und zerstört aus. Er kämpft im Verschwommenen benebelt, aber aufopfernd bis zum letzten Tropfen. Ich kann diese Verzagtheit, momentane Hoffnungslosigkeit gut verstehen. Vielleicht wünscht er sich wie ich auch nur ein bisschen Ruhe, Zufriedenheit und Glück. Und ertränkt seinen Jammer im Alkohol. Leider geht es zu vielen Menschen so.

Ich bestelle mir ein kühl gezapftes Pils. Der erste feste Schluck fließt wie Balsam durch die Kehle.

Ein zweiter folgt unmittelbar. Es dauert keine fünf Minuten und das Glas ist leer Ich bestelle noch ein Pils. Während ich da so an der Theke lehne und meinen Nachbarn anstarre, durchzuckt es mich, als hätte  ein Blitz meinen Körper durchbohrt. Mir wird in einem Bruchteil einer Sekunde sonnenklar, das muss für immer ein Ende haben. So macht das Leben keinen Sinn und Spaß. Und ich weiß mit Bestimmtheit, es muss alles nicht so schwer und mühsam sein. Es kann und muss auch anders und entspannter gehen. Niemand ist schicksalshaft zum Kämpfer und Opfer geboren, den Umständen hilflos ausgeliefert.

Ich trinke genussvoll mein Pils und beginne ein Gespräch mit meinem sich an der Theke stützenden Leidensgenossen. Ich spendiere noch eine Runde, und dann noch eine. Es wird spät und später und wir philosophieren angeregt und leidenschaftlich über das Leben. Diese Ausweglosigkeit und Verzweiflung sind wie weggespült.

Diese verrückte Nacht sollte mein Leben für immer verändern.

Im Morgengrauen schlendere ich mit einem zufriedenen Lächeln auf meinem Gesicht nach Hause. Ich schalte mein Handy aus und falle so wie ich bin ins Bett.

Am übernächsten Tag fahre ich in die Firma und rufe alle Mitarbeiter zusammen. Es wurde ein Neuanfang, aus einer ums Überleben kämpfenden kleinen Firma wurde innerhalb von zwei Jahren ein tolles Unternehmen mit zweistelligen Wachstumsraten.

Dies ist zwar nicht meine Geschichte, aber sie ist wahr.

Funktioniere nicht, atme!

Die Philosophin Ariadne von Schirach fordert ein Ende der Selbstoptimierung – und rät zum Pausemachen und Traurigsein. In der Krise empfiehlt sie die Lektüre von Seneca.

Ein lesenswerter Artikel. Viel Spass und Anregung beim Lesen.
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Bis bald. Ich freue mich.  Werner

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Was du auch tust. Tu es gern. Tu es mit Leidenschaft. Steh dazu und sei fair. Und

HÖR NIE AUF, REVOLUTIONÄR ZU SEIN.

Dein Werner aliasTschöps